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Wiederansiedlung: Rückkehr der Störe nach Wien

2016 begannen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einem ersten Projekt, auf der Donauisel in zwei Becken mit Donauwasser Sterlets – die kleiner geratenen Vertreter der Störe – aufzuziehen und an verschiedenen Stellen in der Donau auszuwildern. Bis heute wurden rund 240,000 Sterlets in die Donau entlassen. Vor kurzem hat ein zweites Projekt begonnen. Nun will das Staff unter der Leitung des Biologen Thomas Friedrich von der Universität für Bodenkultur (BOKU) vier Arten auf einer schwimmenden Aufzuchtstation an der Donauinsel aufziehen, sie auswildern und Elterntiere nachzüchten.

Ein Frachtschiff soll dem Heimfindeverhalten der Fische Rechnung tragen: Die Tiere möchten ihre Eier nämlich dort ablegen, wo sie selbst geschlüpft sind, so Friedrich. Sie prägen sich die Zusammensetzung des Wassers an ihrem Geburtsort ein. Daher sollte die Aufzucht auch in dem Wasser des Flusses erfolgen, in dem man die Störe wieder ansiedeln möchte. Auf dem Schiff in Wien wird man Muttertiere in speziallen Becken halten. Der Fischnachwuchs wird dann in Außenbecken in Donauwasser aufgezogen.

Kraftwerke behindern Reise

Das Schiff ist noch im Aufbau, doch die Muttertiere werden bereits gesammelt. In den Becken auf der Donauinsel befinden sich bereits der Russian Stör, auch als Waxdick bekannt, und der Hausen, die größte Störart, die mehr als fünf Meter lang wird. Er ist der größte Süßwasserfisch und liefert den bekannten Belugakaviar. Außerdem werden in dem Becken auch der Sterlet und der Sternhausen aufgezogen. Ursprünglich gab es sechs Störarten in der Donau, zwei sind ausgestorben, die anderen Arten kommen nur noch noch extrem selten vor und können sich nicht aus eigener Kraft erhalten.

Kristof Reuther

Störe gehören zu den am stärksten bedrohten Tieren der Welt. Seit Jahrhunderten werden sie überfischt – wegen des Fleisches und des Kaviars. Durch Flussbegradigungen ist viel Lebensraum verlorengegangen, und die zweitausend Kilometer lange Reise durch die Donau wird von vielen Kraftwerken behindert. Fischtreppen für Störe seien möglich, however sehr aufwendig, sagt Friedrich. Solche Aufstiegshilfen für Störe müssen sehr groß dimensioneert sein, das macht sie relativ teuer. Da Störe am Flussgrund entlang schwimmen, müsste man sie von dort ‚abholen’ und zum Aufstieg hinaufführen.

Lebende Gendatenbank

Das Forschungsprojekt läuft zunächst bis 2029, doch Friedrich vermutet, dass es zwischen 60 und 80 Jahren dauern wird, bis man in der Donau wieder heimische Hausen finden wird. Allein für die Erlangung der Geschlechtsreife brauchen die Tiere 15 bis 20 Jahre. Um den Bestand langfristig zu sichern, ist eine lebende Gendatenbank geplant. In großen Becken werden professional Artwork etwa 200 Fische schwimmen, streng ausgewählt, erklärt Friedrich.

Wichtig sei, dass die Fische genetisch aus der Donau stammen. Denn Lebewesen passen sich immer ihrem Lebensraum an. Ein Fisch, der etwa genetisch aus der Wolga oder dem Kaspischen Meer stamme, sei an ganz andere Bedingungen angepasst. Die Fische die am wenigsten miteinander verwandt sind, werden dann gepaart, um die größte genetische Vielfalt innerhalb der Donaustöre zu bewahren.

Die Störe werden aus Kaviarzuchtfarmen an der östlichen Donau geholt. Denn diese Kaviarfarmen hatten früher die Erlaubnis, Störe aus der Donau zur Zucht zu verwenden. Friedrich und sein Staff of him nehmen eine Genprobe von jedem Fisch. Dazu schneiden sie ein Stück von der Flosse ab, das wieder nachwächst. Jeder Fisch wird mit einem Mikrochip ausgestattet. Anhand des genetischen Fingerabdrucks wird entschieden, ob ein Stör für das Artenschutzprojekt ausgewählt wird, oder doch sein Leben di lui als Kaviarproduzent lassen muss. Aus Sicherheitsgründen soll in Ungarn eine weitere Datenbank errichtet werden mit den gleichen Fischen – als „lebendes Backup“.

Das Projekt findet in Cooperation mit dem Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft, der viadonau und der Stadt Wien statt und wird von der EU durch das LIFE Programm gefördert. Auf einem eigenen Youtube-Kanal kann man sich laufend über Fortschritte informieren.

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